Buchvorstellung im Monat April 2017
vorgestellt von Monika Zimmermann
 

Bilqiss - Roman von Saphia Azzeddine

Der jungen Witwe Bilqiss wird der Prozess gemacht. Ihr Vergehen: Als der Muezzin zu betrunken ist, um zum Morgengebet zu rufen und seine Frau hilfesuchend bei Bilqiss erscheint, übernimmt diese kurzerhand die Aufgabe und macht ihren eigenen Aufruf. Außerdem trägt sie Stöckelschuhe, Makeup und besitzt einen Lyrikband. Als alleinstehende Witwe ist sie den Männern im Ort schon lange ein Dorn im Auge und so ist das Urteil schnell klar. Sie soll gesteinigt werden. Doch vor Gericht hält Bilqiss flammende Reden und bietet dem Richter die Stirn. Dieser ist auf seltsame Weise von ihr fasziniert. Er verzögert den Prozess und beginnt, Bilqiss regelmäßig in ihrer Zelle zu besuchen.
Saphia Azzeddine hat einen beeindruckenden Roman über eine starke Frau geschrieben, die sich nicht verbiegen lässt und bereit ist, für ihre Überzeugungen zu sterben. Trotz des ernsten Themas erzählt Azzeddine leicht und voller Ironie eine Geschichte, die nachhaltig beeindruckt und einen berührt. Unbedingt lesenswert.

 

Niemand ist bei den Kälbern - Roman von Alina Herbing

Eine schöne Landschaft, frische Luft und mit dem Liebsten den eigenen Hof bewirtschaften. Das könnte ein wunderschönes Leben sein. Nicht so für Christin. Ihr Freund Jan hängt trotz miserabler Arbeitsbedingungen und schlechter Milchpreise am elterlichen Hof. Christin ist zu ihm gezogen und wird als billige Arbeitskraft ohne Mitspracherecht geduldet und von Jan eifersüchtig kontrolliert. Sie träumt von der Großstadt und einem Bürojob. Ohne Ausbildung weiß sie jedoch keinen Ausweg und ist gefangen zwischen den immer gleichen Freunden und den immer gleichen Dorffesten. Um ihre innere Leere zu füllen sucht Christin die Nähe krimineller Freunde und Trost im Kirsch aus dem Konsum. Bei Reparaturarbeiten am nahegelegenen Windkraftwerk lernt sie den Techniker Klaus kennen und erhofft sich von ihm einen Fluchtweg aus ihrem Leben.
Ungeschönt schildert Alina Herbing das Leben und die Arbeitsbedingungen abseits romantischer Landflucht-Idylle. Mit großer Wucht beschreibt sie die Tristesse des Landlebens und schont mit ihrer direkten Sprache auch den Leser nicht. Ein großartiger Debütroman.

 

Die kleine Spinne Widerlich: Komm wir spielen Schule - Bilderbuch von Diana Amft und Martina Matos

Die kleine Spinne Widerlich ist ganz aufgeregt, denn bald kommt sie in die Schule. Mit ihrem kleinen Geschwisterchen Mini-Spinni macht sie sich auf den Weg und fragt die anderen Tiere, was man in der Schule lernt. Onkel Langbein erklärt ihnen Mathematik, von Tante Igitte erfahren sie, dass man im Sachunterricht viel über die Natur lernt und Oma Erna, die so schön Geschichten vorlesen kann, übt mit ihnen das Alphabet.
2011 veröffentlichte Diana Amft das erste Bilderbuch von der Spinne Widerlich. Damit möchte sie Kindern die Angst vor Spinnen nehmen. Inzwischen ist die kleine Spinne der Mittelpunkt einer ganzen Reihe. Die einfachen Geschichten mit den süßen Illustrationen eigenen sich wunderbar zum Vorlesen für Kinder ab vier Jahren.


WorringenPur.de/2017