Selbstachtung und Selbstliebe sind sehr wichtig:
Brille-Kindertheater begeistert Schulkinder
der Kath. Grundschule Gudnickstr. mit dem Stück „Quastenför“
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Köln-Roggendorf
Am 31.03.17 hatten die Kinder der katholischen Grundschule Gudnickstraße ein tolles Theatervergnügen in ihrer Turnhalle. Das Brille-Kindertheater aus Witten mit nur zwei Schauspielerinnen auf der Bühne begeisterte sie mit einer lebensnahen Geschichte eines Mädchen namens Pauline. Sie ist ziemlich unordentlich und gebeutelt, hat es also schwer, steht sich selbst im Weg. Aber wer ist daran schuld? Nicht sie selbst, sondern der Quastenför. Nie zu sehen, aber immer da.


Er brockt ihr z.B. ein, dass sie morgens nicht ihre Socken findet, auf dem Schulweg in einen Hundehaufen tritt und eine Treppe herunterfällt. Nach heftigen Kämpfen mit ihrer Mutter, die ihre Tochter auch nicht versteht,  beschließt Pauline sich Hilfe zu holen. Sie trifft auf eine geheimnisvolle, extravagante Dame namens Eulalia Fried, die sie berät. Diese gibt ihr statt vielen Worten eine geheimnisvolle, verschlossene

Kiste mit, die sie erst in einem besonderen Moment öffnen soll. Als mal wieder nach einer Woche alles schief läuft, öffnet Pauline die Kiste. Ab da sieht die Welt anders aus.
Pauline findet nämlich in der Kiste ein Telefon, mit dem sie Kontakt zu einer unbekannten, aber sehr Vertrauen erweckenden Stimme findet, die ihr gut zuspricht. Es ist gewissermaßen ihre eigene innere Stimme. Die Botschaften: „Man ist gut, wie man ist. Lob dich selbst, du hast es verdient. Habe keine Furcht vor nichts und niemand! Der Aufruf zur Wertschätzung seiner selbst und ein anerkennendes Wort hören sich wirklich gut an!  Das haben auch die Kinder der Gutnickstraße verstanden. Jetzt kann Pauline Frieden mit ihrer Mutter schließen.

Beeindruckend ist  nicht nur die Botschaft, sondern auch die Unmittelbarkeit und starke Emotionalität der Schauspielerinnen und die damit sehr kindgerechte Darbietung mit viel Gestik, Mimik und starken Gefühlen. Auch das sehr klare und sparsame Bühnenbild hat wohl dazu beigetragen, dass die Kinder so stark emotional erreicht werden. Sie sind konzentriert und antworten im Chor auf Fragen. Die Verwendung

einfachster Mittel wie einer Kiste, die in der Not hilft, erhöht ebenfalls die Konzentration der Kinder.
Es ist das Thema selbst, das das Stück so erfolgreich macht: das Nichtzurechtkommen mit Alltagsanforderungen und insbesondere mit elterlichen oder schulischen  Erwartungen, was die Kinder stark anspricht. Jedes Kind  kann wie Pauline zeitweise den Glauben an sich selbst verlieren. Hier also können sich die Kinder offensichtlich identifizieren und sich in dem Kind Pauline wiederfinden, das im Kampf mit sich selbst ist und seine Mutter zuweilen ätzend findet.

Nach der Aufführung und im beginnenden Beifallklatschen passiert etwas, das wirklich anrührend ist. Viele Kinder springen auf, laufen zu den beiden Schauspielerinnen hin  und bedanken sich für das Theatererlebnis. Sie umarmen die beiden und einige wollen gar nicht wieder weg. Die Schauspielerinnen haben mit diesem kindlichen Zeichen von Dankbarkeit und Sich - Verstanden – Fühlen wohl nicht gerechnet und sind leicht verdattert.
Eine Erkenntnis angesichts dieser Theateraufführung ist wohl gerechtfertigt: Schon im Schulkindalter bis 10 Jahre verstehen Kinder grundlegende Botschaften wie die, dass Selbstachtung und Selbstliebe sehr wichtig sind, um gegen den inneren  Quastenför angehen zu können.


WorringenPur.de/07.04.2017
Bericht & Fotos: Elisabeth Pieper-Jannicke
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski