NETZwerk Flüchtlingshilfe Worringen:
Drittes Politikgespräch zur Flüchtlings- und Schulpolitik
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Köln
Wie die beiden Gespräche in 2017, brachte auch das letzte Gespräch mit wichtigen Entscheidern der Kölner Verwaltung einen Fortschritt an Erkenntnissen, wie wesentliche Aspekte im Kölner Norden und speziell auch in Worringen einzuordnen sind. Zur Gesprächsvorbereitung hatte man wieder die von Simone Weyell kreierten Vortragsunterlagen an die Gesprächspartner ins Stadthaus geschickt.
Vorgetragen und diskutiert wurden die drei Themen Schulpolitik (Guido Garlip), Flüchtlingsproblematik (Hans-Bernd Nolden) und die unendliche Geschichte um den ins Gerede gekommenen S-Bahnhof Worringen (Paul Reiner Weissenberg). Dabei wurde versucht, mit Vorschlägen und drängenden Fragen Anstöße zur Lösung anstehender Probleme zu geben.

Erfreulich waren die Vorbemerkungen seitens des Kölner Sozialdezernenten Dr. Harald Rau in Richtung des Teams, bestehend aus den Bürgervereinen von -Roggendorf/Thenhoven und Worringen und dem NETZwerk Flüchtlingshilfe Worringen, koordiniert von Paul Reiner Weissenberg: Er habe mit Freude die Professionalität der Vorbereitung und die Sachkenntnis in den bisherigen Gesprächen begrüßt und bedankte sich dafür ausdrücklich. Er machte jedoch auch den wichtigen Hinweis, dass man nicht davon ausgehen dürfe, dass die angesprochenen Probleme direkt und unmittelbar gelöst werden könnten. Man nehme alles auf und wolle sich im Rahmen der Möglichkeiten darum kümmern.

Erstes Thema war die Schulpolitik. Bestens vorbereitet, trug Guido Garlip das statistische Datenmaterial vor, das nur einen Schluss zulässt: Aufgrund des für Kita- und Schulplätze relevanten Bevölkerungszuwachses muss hier geplant und gebaut werden. Das sieht auch die Kölner Dezernentin für Schulwesen Dr. Agnes Klein so, die bereits beim letzten Gespräch geäußert hatte, Zitat: „Wir müssen bauen!“. Allerdings wartet man auf die neue Bevölkerungsprognose Ende 2018 – wohlwissend, dass die bisherige Prognose bereits durch den aktuellen Bedarf überschritten wurde. So wird das auch vom Schulamt gesehen: Worringen und Roggendorf/Thenhoven haben bereits jetzt keine ausreichende Kita-Versorgung. Ein Ausbaubedarf von sechs Gruppen wird in Worringen gesehen. Die aktuelle Planung der Verwaltung hierzu betrifft das alte Gelände der ehemaligen Schule Holzheimer Weg (das man wegen seiner Lage und seiner Größe aber auch anderweitig verwenden könnte (siehe Team-Vorschlag weiter unten).
In Roggendorf/Thenhoven soll die bisherige Zahl von fünf Kita-Gruppen erhalten bleiben. Allerdings soll die Fläche der Kita Gutnickstrasse zur Erweiterung der Katholischen Grundschule Gutnickstrasse dienen und hierdurch die Aufnahmekapazität von 168 auf 193 Schüler erweitern.
Zum Schulthema konnte Guido Garlip punktgenau den Team-Vorschlag für eine Gesamtschule am Holzheimer Weg in Worringen anbringen. Das Grundstück entspricht in der Größe den Anforderungen für diesen Schultyp und darüber hinaus können als Sportstätte die Anlagen der SG Worringen genutzt werden. Der Neubau solcher Sportanlagen wäre damit nicht notwendig.
Überraschend kam dieser Vorschlag für Frau Dr. Klein nicht, denn ein gleichlautender Antrag an die Schulverwaltung wurde einige Tage vorher in der Bezirksvertretung Chorweiler beraten und beschlossen. Auch ein weiterer Vorschlag für Worringen, den Ratsfrau Britta Nesseler-Komp vorbrachte, wird von der Schulverwaltung berücksichtigt: Wenn ein Kirchengrundstück an der Brombeergasse für eine Grundschule und/oder Kita geeignet ist, wird dieses ebenfalls in die Planung einbezogen.

Frau Dr. Klein machte zum Schluss der Diskussion zum Thema Kita und Schulen die Zusage: Alle Vorschläge und Hinweise – insbesondere der Hinweis auf den möglichen Bau einer Gesamtschule am Holzheimer Weg in Worringen und das Kirchengrundstück am Brombeerweg in Worringen zum Bau einer Grundschule und/oder einer Kita - werden bei den anstehenden Planungen betrachtet!

Beim zweiten Thema, der Flüchtlingsproblematik, wurden von Hans-Bernd Nolden viele Fragen vorgetragen, aber leider wenig Antworten gegeben. Darüber hinaus musste man von Frau Adams vom Wohnungsamt erfahren, dass sich die Planungen für das Flüchtlingsheim in Roggendorf/Thenhoven aus vielerlei Gründen derart verzögert haben, dass ein Umzug aus dem maroden Wohnheim Hackhauser Weg in Worringen voraussichtlich nicht vor Mitte 2019 realisiert werden kann. Dabei hatte man den Umzug in das neue Wohnheim in Roggendorf/Thenhoven noch vor wenigen Wochen zum Jahresende 2018 in Aussicht gestellt. Auf die mit der erneuten Verzögerung einhergehenden Probleme – weitere, notwendige Maßnahmen zur Erhaltung der Funktion der technischen Einrichtungen wie Gemeinschaftsküchen und Gemeinschafts-Waschküchen, Beobachten und umgehende Beseitigung von Schimmelproblemen in den Wintermonaten, die Problematik bei den gemeinschaftlich zu nutzenden sanitären Einrichtungen -  wurde eindringlich hingewiesen. Wie man damit umgehen wird, muss sich erweisen. In jedem Fall werden diese Probleme und vor allem die damit einhergehenden gesundheitlichen Belastungen für die Bewohner auch von den Ehrenamtlern kritisch im Auge behalten.

Zum geplanten Wohnheim in Roggendorf/Thenhoven gab es die eindrückliche Bitte, bereits bei den Planungen geeignete Einrichtungen für die Freizeitgestaltung der Bewohner vorzusehen und zu schaffen. Dazu wären ausgediente Wohncontainer geeignet, die von den Flüchtlingen gemeinsam mit den Ehrenamtlern in Freizeit-Räume umgestaltet werden können – z.B. als Werkstatt, als Raum für Deutschunterricht, Treffpunkt für Frauen etc. Die Ehrenamtskoordination soll gerade im Hinblick auf die besondere Situation in Roggendorf/Thenhoven mit seinen sozialen Brennpunkten ausgebaut werden. Dazu wird auch ein Engagement seitens der hauptamtlichen Sozialarbeiter*Innen; die in verschiedenen Disziplinen in diesem Umfeld agieren, gewünscht und vorgeschlagen.
Bezogen auf die inzwischen erneut entstandenen Planungsänderungen für das Wohnheim in Roggendorf/Thenhoven hat man erkannt, dass eine deutliche Verbesserung der informellen Beteiligung der Bürger notwendig ist und hat diese auch zugesagt.
Auf die Notwendigkeit zur Integration der in Worringen inzwischen in Mietwohnungen lebenden Flüchtlinge und den Bedarf nach einem entsprechenden Integrations-Konzept wurde ebenfalls eindrücklich hingewiesen. Möglicherweise folgt man der Anregung, diese Aufgabe an das von der Oberbürgermeisterin angekündigte, neue Amt für Integration zu übertragen.

Als drittes Thema brachte Paul Reiner Weissenberg die immer noch nicht nachhaltig angegangenen Probleme rund um den S-Bahnhof Worringen zur Sprache. Hierzu wird Dr. Rau einen Impuls geben zur Bildung eines Runden Tisches unter der Leitung des Bürgeramtsleiters Chorweiler, Engelbert Rummel und unter Beteiligung der Betreiber sowie der Bürgervereine von Roggendorf/Thenhoven und Worringen.

Fazit: Die drei Problemkreise aus dem Kölner Norden - Schulen und Kitas, Flüchtlingsproblematik und S-Bahn Worringen - konnten erneut direkt und unmittelbar an die verantwortlichen Funktionsträger der Kölner Verwaltungsspitze herangetragen werden. Man gewann den Eindruck, dass dies dazu beiträgt, den Kölner Norden etwas mehr in den Fokus der Stadtpolitik einzubeziehen. Die zugesagte Einbeziehung der Informationen und Vorschläge in städtische Entscheidungsfindungen lässt hoffen, dass sich bald Positives ergeben wird. Die Bürgervereine von Roggendorf/Thenhoven und Worringen werden das im Blick behalten.

Randnotiz
Inzwischen wurde bekannt, dass die Dezernentin für Bildung, Jugend und Sport Frau Dr. Agnes Klein zum 01. Februar 2019 auf eigenen Wunsch pensioniert werden wird und dass der Dezernent für Soziales, Integration und Umwelt, Herr Prof. Dr. Harald Rau, sich im Oktober 2018 in Offenburg zur Wahl als Oberbürgermeister stellt. Im Kölner Norden ist man zuversichtlich, dass die nachfolgenden Personen die angestoßenen Dinge weiterhin im Blick behalten und dass man die Bürger unterstützen wird bei ihren Bemühungen um eine gedeihliche Entwicklung in diesem Lebensraum.


WorringenPur.de/19.07.2018
Bericht & Fotos: Hans-Bernd Nolden
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski