Landschaftswart Herbert Jansen berichtet:
Überarbeiteter Pflege-und Entwicklungsplan für die Rheinaue
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Kölner Norden
Für die Naturschutzgebiete Rheinaue Worringen-Langel (N4), sowie Rheinaue Langel-Merkenich (N1) gibt es seit dem Jahr 2000 einen Pflege-und Entwicklungsplan (PEPL2000). Die Naturschutzgebiete wurden Anfang der 1980er Jahre ausgewiesen. Der Plan wird laufend der Naturentwicklung angepasst. Am 13. Oktober 2017 erläuterten Frau Dr. Heidrun Dresen und Frau Annika Eitner vom Grünflächenamt Köln den augenblicklichen Stand vor Ort in Langel. Der Einladung über die Presse waren rund 30 Anlieger aus Worringen Langel und Merkenich gefolgt. Hier noch mal eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus dem PEPL.


Das wohl markanteste Projekt war die Aktivierung der Hochflutrinne (Revitalisierung links und rechts vom Wehrt Weg, als Ausgleichsfläche für den Godorfer Hafen) in Worringen. Aber auch zahlreiche weitere Maßnahmen wie Obstbaum- und andere Gehölzpflanzungen, Wiesenextensivierung oder Waldumbau führten zu Verbesserungen der Situation in den Naturschutzgebieten. Im Jahr 2012 wurde in den beiden NSG ein Monitoring der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln durchgeführt, um den aktuellen Bestand an schutzwürdigen Tieren (mit Schwerpunkt auf  Vögel) und Pflanzen aufzunehmen. Die Daten dienten dem Ziel, den PEPL und die umgesetzten Maßnahmen zu überprüfen und ggf. Anpassungen an veränderte Erfordernisse vorzunehmen. Dabei wurden viele Vögel gefunden, die auf der Roten Liste des Landes stehen.

Die Vögel (Leitarten), die als ein Ergebnis des Monitorings benannt wurden, sollen hinsichtlich ihrer Ansprüche an Lebensräume besonders berücksichtigt werden. Folgende Leitarten wurden derzeit für N1 und N4 definiert: Feldschwirl, Feldsperling, Flussregenpfeifer, Gelbspötter, Kiebitz, Kleinspecht, Nachtigall, Pirol, Rebhuhn, Schwarzmilan, Steinkauz, Teichrohrsänger, Wachtel, Wiesenpieper und Zwergtaucher. Dazu kommen noch Gastvögel und Durchzügler, die sich nur zeitweise hier aufhalten. Die Ziele für N1 und N4 setzen sich zusammen aus den Ansprüchen für die Landschaftsentwicklung, den Artenschutz, die Vegetation, und die Besucherlenkung. Weiterhin sind zu berücksichtigen: die Landwirtschaft, das Wasserschifffahrtsamt, die Wassergewinnung der GEW (Uferfiltrat für das Wasserwerk Weiler), etliche Pipelines des Chemparks Dormagen-Leverkusen, Erholungssuchende allgemein, Angler usw.

Der Plan hat als Ziel eine eigendynamische Entwicklung zuzulassen und parallel eine vorsichtig gesteuerte Pflege- und Weiterentwicklung durchzuführen. Das heißt: Stillgewässer anzulegen, Pappelwälder zu reduzieren, Auenwälder aus Eichen, Eschen und Weiden zu erweitern, Obstwiesen und Kopfbäume  für den Artenschutz beizubehalten, Grünländer an halbtrockenen Standorten zu Extensivgrünland umbauen und für die Beweidung oder Mahd bereit zu halten, Ackerstandorte im Vorland mittelfristig zugunsten von Wald und Grünland, aufzugeben, Anlage oder Vertiefung von Flutrinnen, Entsiegelung von Wegen, Naturnahe Umgestaltung des Frohnweihers, Uferhochstaudenfluren und Röhrichtflächen zu erweitern.

 
Schutzmaßnahmen

Informationskonzept
An Parkplätzen und an sonstigen stärker frequentierten Zugangspunkten werden demnächst neue Informationstafeln aufgestellt. Auf den Tafeln sind die wichtigsten Schutzgründe sowie ein Lageplan des Naturschutzgebietes mit relevanten Informationen zum Wegesystem (Standort, markierte Wanderwege etc.) aufgezeigt. Sie dienen aber auch dazu, weitere Informationen zum Gebiet zu geben.

Wegekonzept
Das Rheinvorland zwischen Worringen und Merkenich dient traditionell in erheblichem Maße der Naherholung der Bevölkerung. Es sind ausreichend Wege in diesem Gebiet zu unterhalten. Die Wege dürfen nicht verlassen werden. Eine Kennzeichnung der Wege wird im nächsten Jahr vorgenommen. Gemäß den allgemeinen Verboten des Landschaftsplans ist Reiten in Naturschutzgebieten außerhalb ausgewiesener Reitwege grundsätzlich verboten. Das bestehende Reitwegesystem der Stadt Köln wurde in den PEPL 2014 übernommen. Demnach führt ein ausgewiesener Reitweg vom Ivenshof (Merkenich) Richtung Norden am Deich entlang und dann nördlich von Merkenich aus dem Naturschutzgebiet heraus. Weitere Reitwege sind nicht ausgewiesen.

Anlage einer Liegewiese
Nahe der Fähranlegestelle bei Langel (außerhalb des Naturschutzgebietes) soll eine Lager- und Spielfläche angelegt werden. Die bisher als Acker genutzte Fläche soll eingesät werden und könnte mit Sitzmöglichkeiten (z.B. Baumstämmen) und Abfallkörben ausgestattet werden. Damit soll nahe des Erholungszielpunktes „Fähranlegestelle“ außerhalb des Rheinufers eine Fläche zum Lagern und Spielen bereitgestellt werden, um die Attraktivität des Erholungsraumes an der Anlegestelle zu erhöhen und der Entstehung von „wilden“ Lagerplätzen innerhalb des NSG entgegenzuwirken. Die Stelle ist relativ störungsunempfindlich und daher mit dem Natur- bzw. Landschaftsschutz vereinbar.

Anlage einer Hundewiese
Das freie Laufenlassen von Hunden ist in den Naturschutzgebieten generell verboten. Um Hunden dennoch Gelegenheiten zu bieten, sich ungezwungen auszutoben, wird nördlich des Fähranlegers eine Ackerfläche in eine Hundewiese umgewandelt. In Richtung der angrenzend vorgesehenen Liegewiese ist zumindest eine dichte Anpflanzung vorzusehen, um ein ungestörtes Nebeneinander der Nutzungen zu gewährleisten, ggf. wird eine Einzäunung vorgenommen.

Angeln
Gemäß den allgemeinen Verboten des Landschaftsplans ist Angeln in Naturschutzgebieten verboten. Das Angeln wird an bestimmten Stellen erlaubt, die dann als Angelstelle gekennzeichnet sind. Nördlich von Worringen befinden sich Angelplätze im Landschaftsschutzgebiet (rund um den Wasserturm am Worringer Hafen), sowie bei Langel im Umkreis der Fähre und in Merkenich am Hafen Niehl 2.

Beweidungskonzept
Robuste Weidetiere, die sich für die Landschaftspflege eignen sollen weitgehend selbständig auf größeren Weideflächen leben. Je nach Tierart oder Fläche kann eine Ganzjahres- oder eine Saisonbeweidung erfolgen. Es handelt sich dabei um eine sogenannte extensive Beweidung, bei der nur wenige Tiere auf einer Fläche grasen. Diese Art der Beweidung ist schonend für die Pflanzen- und Tierwelt und daher in einem Naturschutzgebiet besonders geeignet. Die Beweidung mit Großtieren bietet mehrere Vorteile für die Naturschutzgebiete: Störungen durch unerlaubte Freizeitnutzungen werden eingedämmt. Die Fauna wird weniger gestört. Die Vegetation des Grünlandes wird durch eine Beweidung dauerhaft und regelmäßig gepflegt.

Es gibt keinen festen Zeitplan für das Umsetzen des Pflege- und Entwicklungsplanes. Naturentwicklung, Äußere Bedingungen (Neubau der Rheinbrücke bei Merkenich) und die finanziellen Möglichkeiten bestimmen den weiteren Werdegang. Entwickelt wurde der PEPL von Viebahn und Sell, Landschaftsplanung-

Weitere Berichte zur Rheinaue finden interessierte LeserInnen hier.


WorringenPur.de/19.10.2017
Bericht & Fotos: Herbert Jansen, Landschaftswart